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  • Sabrina

Trekking auf dem Rothaarsteig

Aktualisiert: Sept 20

Ende Mai habe ich einen großen Plan gefasst: ich wollte von Dillenburg an der Lahn bis zu meinen Eltern nach Lüdenscheid laufen um den Hund abzuholen. Dabei sollte mein Weg über den Rothaarsteig bis Winterberg und von dort an auf dem Sauerland Höhenflug bis Plettenberg verlaufen, von wo aus ich mich dann über das örtliche Wegenetz weiter nach Lüdenscheid schlagen wollte. Am Ende bin ich tatsächlich bis Winterberg gelaufen und habe leider nur die erste Etappe auf dem Höhenflug geschafft weil ich zu dicke Blasen an den Füßen hatte (hallo falsche Socken!).

Der Rothaarsteig ist ein Fernwanderweg, der auf knapp 155 Kilometern von Brilon nach Dillenburg führt. Der Sauerland Höhenflug verläuft auf 250 Kilometern von Meinerzhagen bis Korbach. Beide Wege sind vom Deutschen Wanderverband als Qualitätswanderwege "Wanderbares Deutschland" zertifiziert. Meine Strecke sollte über beide Wege führen.



Meine erste Etappe startete in Dillenburg am Bahnhof. Nach einem kleinen Stück durch die Stadt ging es endlich in den Wald und raus in die Natur. Ich bin am ersten Tag 26 Kilometer bis zur Dillquelle gelaufen, wo ich mein Nachtlager aufgeschlagen habe. Kurz nachdem mein Zelt stand und ich meinen Kocher angeschmissen hatte, hat sich eine andere Wandergruppe genähert und ich hatte kurz Panik weil ich ja im Wald schlafen wollte und das schließlich irgendwie eine Grauzone ist. Zudem war es mein erstes Mal wild im Wald schlafen. Es stellte sich heraus, dass die andere Gruppe Wandervögel waren, die schon seit ihrer Jugend regelmäßig im Wald schlafen. Die Gruppe hat dann ihr Nachtlager neben mir aufgeschlagen und ich war dann doch ganz froh, nicht allein zu sein.


Am nächsten Tag ging es 19 Kilometer weiter über die Ilmquelle (Frischwasser-Nachschub) zur Siegquelle, wo es kein frisches Wasser gab. Auf den letzten Kilometern hatte ich die Wandervögel wiedergetroffen und bin mit ihnen gemeinsam zum Camping-Spot gelaufen. Hier haben wir am Rande einer großen Wiese geschlafen.


Am dritten Tag bin ich direkt mit den anderen gestartet und habe sie dann an einem Freibad hinter mir gelassen weil sie dort baden wollten, mir das aber irgendwie noch zu früh war. Vielleicht war das mein Fehler, denn so bin ich an diesem Tag ohne ausreichend Wasser 32 Kilometer bis zur nächsten fließenden Quelle, der Sombornquelle, gelaufen. Die Nacht habe ich in der Schutzhütte am Potsdamer Platz verbracht, wo spät am Abend zwei andere Wanderinnen mit Hund ankamen, die ebenfalls dort übernachtet haben. Meine dritte Nacht in Gesellschaft und ich habe mich langsam gewundert, dass doch so viele Leute einfach im Wald schlafen.


Der nächste Tag war meine letzte Etappe zum ersten großen Ziel Winterberg. Leider lag mir der dritte Tag ziemlich in den Knochen. Ich hatte mal wieder nicht genug auf mich geachtet, hatte viel zu wenig Wasser dabei, habe kaum Pausen gemacht und zu wenig unterwegs gegessen. Das hat sich gerächt und schon nach wenigen Kilometern haben sich meine Füße gemeldet, die meinten, ich würde heute nicht ins Ziel laufen. Nach gut 18 Kilometern war am Imbiss der Hoheleyer Hütte für mich Schluss und ich bin mit dem Bus nach Winterberg gefahren, wo ich mir ein Zimmer im Hostel gebucht habe. Das Hostel war deutlich ungemütlicher als mein Zelt aber mein Körper hat das richtige Bett und die erste Dusche seit Tagen sehr gefeiert. Hier habe ich dann zwei Ruhetage eingelegt und dachte tatsächlich noch, ich könnte die Strecke bis Lüdenscheid oder zumindest Plettenberg noch gut laufen.


Zu früh gefreut: meine erste Etappe auf dem Sauerland Höhenflug war schrecklich schmerzhaft und ich bin nach 22 Kilometern mit sagenhaften 2km/h in Bad Fredeburg eingehumpelt. Auf dem Weg habe ich alle möglichen Schlafplätze irgendwie missachtet oder dachte, es würde noch was besseres kommen, sodass ich hier in einem Hotel untergekommen bin. Auch das war deutlich ungemütlicher als mein Zelt.

Am nächsten Tag haben mich meine Eltern dann hier abgeholt. Wenn ich nicht zum Hund komme, muss der Hund eben zu mir kommen. In Lüdenscheid hieß es dann erstmal 4 Tage Ruhe einlegen, an denen ich nur die allernötigsten Strecken zwischen Bett, Balkon und Badezimmer gelaufen bin. Zum Glück führte immer einer dieser Wege am Kühlschrank vorbei.


Was ich auf der Tour gelernt habe

Wasser trinken und Pausen machen sind zwar lästig aber so, so essenziell für eine gute Tour! Und ich habe gelernt, in Zukunft meine Wasservorräte an jeder möglichen Quelle aufzufüllen, damit ich nicht in die Bredouille komme, wieder ohne da zu stehen und plötzlich 10km weiter als geplant laufen zu müssen.


Der Rothaarsteig

An sich ist das Rothaargebirge auch nur ein deutsches Mittelgebirge, wie man es überall finden kann. Die Landschaft hat mich jetzt nicht so groß vom Hocker gehauen und auch beim Weg hätte ich mehr erwartet. Gerade mit dem Hintergrundwissen, wie Qualitätswanderwege gestaltet und geführt sein sollten. Der Weg zwischen Dillenburg und Winterberg führt leider über viele Forstwege und über wenige Trampelpfade, also naturnahen Boden. Hin und wieder gab es eine schöne Aussicht oder interessante Landschaften, aber das hielt sich echt in Grenzen. Positiv hervorzuheben ist die Wegemarkierung, hier konnte man sich echt nicht verlaufen.


Ich werde dem Rothaarsteig irgendwann auf jeden Fall noch eine zweite Chance geben und das Stück nach Brilon laufen. Oder meine geplante Tour ab Winterberg zu Ende führen.




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